Mein Ur-Großvater väterlicher Linie [Kekule-Nr. 18 in der Ahnenliste]
Geboren am 31. Oktober 1882 in Welschen Ennest – gestorben am 14. Juni 1968 in Welschen Ennest.

Die »Bäckerei-Conditorei Paul Limper« war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im wahrsten Sinne des Wortes der Mittelpunkt des kleinen sauerländischen Dorfs Welschen Ennest. Und wäre beim großen Luftangriff der Alliierten am 24. Mai 1943 auf Dortmund die dortige Kaserne nicht vom Bombenhagel getroffen worden, gäbe es das Bäckereigeschäft Limper vielleicht sogar noch bis heute.
Paul Limper, mein Urgroßvater, stammte aus einer etablierten Familie in Welschen Ennest, die schon seit vielen Generationen im Rahrbachtal heimisch war. Entsprechend häufig findet man den Familiennamen Limper bis heute in Welschen Ennest, Rahrbach, Kruberg und umliegenden Orten. Um die einzelnen Familienzweige voneinander zu unterscheiden, führten manche Limpers Beinamen, die sich vom jeweiligen Wohnhaus ableiteten. So nannte sich Pauls Vater »Limper-Falken«. Der Schlosser und Kunstschmied Heinrich Limper-Falken war eine bekannte Persönlichkeit in Welschen Ennest gewesen, zeitweise amtierte er auch als Gemeindevorsteher – ein lebensfroher, kontaktfreudiger Mensch.
Pauls Mutter, Elise Limper-Falken (geb. Schuster), die in der Stadt aufgewachsen war, konnte sich mit dem Dorfleben hingegen nie so richtig anfreunden; zudem setzte ihr die chronisch angespannte wirtschaftliche Lage der Familie zu. Vor allem im Winter waren die Aufträge für Schlosserarbeiten rar, sodass Pauls Vater häufig mit der Kiepe über Land ziehen musste, um auf abgelegenen Höfen Haushaltswaren zu verkaufen.

Paul Limper wurde am 31. Oktober 1882 als Zwilling geboren. Nur einen Tag später fand die Taufe der beiden Kinder in der Pfarrkirche St. Dionysius im Nachbarort Rahrbach statt. Die Kälte auf dem Weg dorthin soll seinem schwächeren Zwillingsbruder Franz jedoch derart zugesetzt haben, dass er nur wenige Wochen nach der Geburt verstarb. Auch weitere seiner Geschwister starben noch im Kindesalter. So wuchs Paul schließlich mit seinem fünfeinhalb Jahre älteren Bruder Ernst, dem anderthalb Jahre älteren Bruder Wilhelm und seiner knapp zwei Jahre jüngeren Schwester Maria auf (die Schwester Franziska starb im Alter von acht Jahren, als Paul 4½ Jahre alt war).
Paul Limper besuchte ab seinem fünften Lebensjahr die Volksschule in Welschen Ennest – die rund 80 Schulkinder wurden damals in dem alten Fachwerkhaus von Lehrer Johannes Wagener gemeinsam in einem Raum unterrichtet. Im Balken über dem Schuleingang stand die Inschrift: »Kinder ohne Lehr und Zucht bringen keine gute Frucht«.
Was Paul Limper in dem Jahr nach seinem Volksschul-Abschluss im September 1896 machte, wissen wir nicht – möglicherweise war es zunächst vorgesehen, dass er in die Fußstapfen seines Vaters trete und den Beruf des Schlossers erlernt. Zum Jahresbeginn 1898 jedoch begann er eine Bäckerlehre bei dem Bäcker- und Konditormeister Fritz Gastreich in Kirchhundem. In den Jahren dort lernte er auch die wenige Monate ältere, aus Attendorn gebürtige Maria Speil kennen, die in Kirchhundem im Haushalt und Café ihrer älteren, mit dem Bäcker und Gastwirt Franz Siebert verheirateten Schwester Rosalie mithalf.
Nach dem Abschluss seiner Bäckerlehre am 4. Juli 1900 blieb Paul Limper noch zwei weitere Jahre bis Oktober 1902 bei seinem Lehrmeister Fritz Gastreich. Laut den Eintragungen in seinem Arbeitsbuch arbeitete er zwischendurch, von April 1901 bis Mai 1902, bei dem Bäcker Hermann Bosch in Siegen-Sieghütte.
Am 22. Oktober 1902 trat Paul den Wehrdienst an, den er bis zum 24. September 1904 bei den Kanonieren der 6. Batterie des 1. Ober-Elsässischen Feld-Artillerie Regiments Nr. 15 in Saarburg absolvierte. Nach der Militärzeit arbeitete er von März 1905 bis September 1908 als Bäcker bei dem Gastwirt Robert Höfer in Welschen Ennest.

1908/09 machte sich Paul Limper, inzwischen 26 Jahre alt, schließlich selbständig und gründete eine eigene Familie. Im Herbst 1908 erwarb er von der Schuhmacherwitwe Ahlbäumer das um 1845 von deren Schwiegervater, dem Schuhmacher Johann Wilhelm Meckel, errichtete Haus zwischen der Schule und der 1901/02 neu erbauten Kirche in Welschen Ennest. An dessen linker Seite errichtete er einen Anbau für die Backstube seines künftigen Bäckerei- und Konditoreibetriebs.
Und am 27. Mai 1909 heiratete Paul Limper in der Welschen Ennester Kirche Maria Speil, die er inzwischen ja bereits seit rund zehn Jahren kannte. Priester bei der Hochzeit war Pfarrer Joseph Wintersohle aus Kirchhundem; als Trauzeugen standen dem Paar Pauls Bruder Ernst Limper und eine Anna Limper zur Seite. Neuneinhalb Monate später, am 13. März 1910, wurde ihre erste Tochter geboren, die den Namen Paula erhielt. Es folgten die beiden Kinder Erwin (11. August 1911) und Anita (25. Juli 1913).
Mit dem am 31. Januar 1913 von der Arnsberger Handwerkskammer ausgestellten Meisterbrief im Bäckerhandwerk bekam Paul Limper die Berechtigung, Lehrlinge auszubilden – in Zeitungsannoncen, mit denen er nach »Bäckergehülfen« suchte, warb er mit seiner »Bäckerei mit elektr. Betrieb«. Und in der Tat verfügte er schon früh über eine elektrische Teigrührmaschine: Der Drehstrommotor hing unter der Decke der Backstube und trieb über einen breiten Transmissionsriemen Rührarm und Rührtrog an. Mein Vater erinnert sich noch aus Kindertagen: »Wenn der große Hebel am Stromkasten umgelegt wurde, flackerte im ganzen Haus bedrohlich das Licht.«
Während des Ersten Weltkriegs musste der Betrieb ruhen, da Paul am 24. März 1915 in den Kriegsdienst zu den Versorgungstruppen eingezogen worden war. Nach seiner Rückkehr im Sommer 1917 kam am 18. April 1918 das vierte Kind zur Welt: Helene, genannt Leni.
Ein erster schwerer Schicksalsschlag traf die Familie mit dem Tod des Sohnes Erwin am 1. Dezember 1919. Er starb im Alter von nur acht Jahren an einer Lungenentzündung – der seit 1918 weltweit grassierenden »Spanischen Grippe«. Als am 22. November 1925 ein weiterer Sohn zur Welt kam, erhielt dieser erneut den Namen Erwin – »Erwin II«.
Das Haus der Familie Limper mit der Bäckerei-Conditorei bildete gewissermaßen den Mittelpunkt des Dorfes. Hier kauften die Menschen nicht nur ihr täglich Brot und leckeres Gebäck, sondern trafen sich auch zum Austausch der neuesten Dorfgespräche. Als Mitglied des Gemeinderats, in dem er über drei Wahlperioden tätig war, verwaltete Paul Limper etliche Jahre lang auch die Rahrbacher Gemeindekasse und wirkte rund 30 Jahre als Rendant der katholischen Kirchengemeinde. Als zum 1. Januar 1929 in Welschen Ennest eine Zweigstelle der Amtssparkasse Bilstein eröffnet werden sollte, erklärte er sich bereit, die Leitung der Annahmestelle zu übernehmen, die er in den Räumlichkeiten seines Geschäfts einrichtete. Bis 1954 blieb die Sparkassen-Zweigstelle, die später von Pauls jüngster Tochter Leni als Zweigstellenleiterin verwaltet wurde, im Haus Limper in einem eigens eingerichteten Geschäftsraum bestehen. Im April 1933 wurde Paul Limper in die Finanzkommission des Amts Bilstein gewählt; zur gleichen Zeit wählte man ihn zum stellvertretenden Gemeindevorsteher des Rahrbacher Gemeinderats. Und in der Gründungsversammlung der Kreisinnung des Bäckerhandwerks in Attendorn Ende Oktober 1934 wählte man ihn außerdem zum Beirat.

Der inzwischen 14-jährige Sohn Erwin begann unmittelbar nach seinem Volksschulabschluss am 1. April 1940 die Bäckerlehre bei seinem Vater Paul und konnte drei Jahre später, am 2. Februar 1943, mit gutem Ergebnis die Gesellenprüfung vor dem Gesellen-Prüfungsausschuss der Bäckerinnung Olpe ablegen. Es war klar, dass er einmal in die Fußstapfen des Vaters treten und die Bäckerei und Conditorei übernehmen sollte. Sein Werkstattwochenbuch gibt lebendige Einblicke in die Arbeit im Welschen Ennester Backhaus. So liest man hier zum Beispiel detailliert über die besonderen Vorbereitungen zur »Weihnachtsbäckerei«, die Herstellung von Kaffee- und Schmalzgebäck, alles, was man über Sauerteig wissen muss, die Rezepte für Krengel und Rodonkuchen, aber auch über die Vorkehrungen zur Bekämpfung von Mehlschädlingen und vieles mehr. Außerdem erfährt man in den Aufzeichnungen Erwin Limpers von den Schwierigkeiten, die sich für den Bäckereibetrieb in den Kriegszeiten der 1940er Jahre ergaben. So schreibt er zum Beispiel: »Trotz der wirtschaftlichen Einschränkungen, die sich in unserem Betrieb auswirken, müssen wir darauf bedacht sein, den Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden. Wenn auch die Luxusbäckerei fortfällt und das Eine oder Andere mal nicht im Augenblick vorrätig oder bestellbar ist, so müssen wir doch dafür sorgen, daß das, was wir herstellen, nach Möglichkeiten den Ansprüchen der Käufer entspricht. Auch die nötige Höflichkeit und Zuvorkommenheit muß am Platze sein, ohne die der reibungslose Ablauf des Geschäftslebens unmöglich ist.«
Nach seiner Gesellenprüfung arbeitete Erwin Limper zunächst einige Wochen weiter im Bäckereibetrieb des Vaters. Trotz der beschriebenen Einschränkungen war der Krieg auf dem Lande weit weniger spürbar als in den Großstädten. Und doch blieb es nicht aus, dass auch Erwin Limper als Soldat zur Wehrmacht eingezogen wurde. Es war der 23. Mai 1943, als er mit dem Zug von Welschen Ennest nach Dortmund in die Kaserne aufbrach. Noch in der gleichen Nacht legte der bis dahin schwerste Bombenangriff der Alliierten die Dortmunder Innenstadt in Schutt in Asche und forderte dabei auch das junge Leben von Erwin Limper. In dem offiziellen Schreiben, das der Oberbereichsleiter des Kreises Olpe wenig später im Namen des »Führers« an die Eltern richtete, hieß es pathetisch: »Ihr Sohn hat sein Leben für die Errichtung eines größeren und schöneren Reiches und einer vernünftigen Ordnung des Friedens hingegeben. Dieses möge Ihnen in dem schweren Leid, welches Sie betroffen hat, ein Trost sein.«
Diese Worte werden wie Hohn in Paul Limpers Ohren geklungen haben. Der Tod des geliebten Sohnes zog der Familie den Boden unter den Füßen weg – eine Welt brach für Paul und Maria Limper und die drei Schwestern, von denen inzwischen zwei verheiratet waren, zusammen. Während Maria öffentlich gegen die »gottlosen Nazis« wetterte, zog sich Paul, seinem eher ruhigen Charakter entsprechend, in die Trauer zurück. Die bis heute in unserer Familie erhaltenen Erinnerungsstücke an Erwin Limper, der im jungen Alter von nur 17½ Jahren sein Leben für einen sinnlosen Krieg hingeben musste, lassen erahnen, wie schwer Erwins Tod die Familie bedrückte.
Als Paul Limpers mittlere Tochter Anita, meine Oma, drei Jahre später einen Sohn zur Welt brachte (meinen Vater), erhielt dieser in Erinnerung an seine beiden jung verstorbenen Onkels erneut den Namen Erwin.

Für die Familie Limper musste das Leben trotz alledem weitergehen. Und die Bäckerei war in den schweren Kriegs- und Nachkriegsjahren mehr denn je Lebensmittelpunkt des Dorfes, zumal sie die Grundversorgung an Nahrungsmitteln sicherstellte. Und auch familiär wurde Welschen Ennest zum Sammelpunkt. Um der Gefahr des Bombardements auf die Großstadt Essen zu entgehen, wohnte Pauls Tochter Anita, die dort mit ihrem Mann Josef im Krankenhaus arbeitete, seit der Geburt ihrer Tochter Gabriele – am 3. Juli 1943 mitten im Fliegeralarm über Siegen zur Welt gekommen – bei ihren Eltern in Welschen Ennest. Auch Paula und Leni, die kinderlos blieben, wohnten bis Ende der 1940er Jahre noch mit im Haus.
Darüber hinaus fanden auch weitere Familienmitglieder, vor allem angesichts der massiven Kriegszerstörungen in den Städten, zeitweise im Hause Limper Unterschlupf, darunter Pauls Bruder Wilhelm und Johannes Isenberg, der Schwager seiner Tochter Anita. Es war also immer Leben im Haus Nr. 48 direkt neben der Welschen Ennester Pfarrkirche.
Und die Enkel Gabriele und Erwin verbrachten bei ihren Großeltern auf dem Land eine glückliche Kindheit. Das Leben dort war besser als in der zerstörten Großstadt, zudem wollte man die Kinder von der allgegenwärtigen Kinderlähmung schützen, die in der elterlichen Arztpraxis in Welper ein ständiges Risiko darstellte. Bis heute erinnern sich die beiden gut an die schöne Zeit bei den Großeltern und in und um die Bäckerei, wo für Gäste und Besucher immer die Türen offenstanden. Auch in der Nachkriegszeit, als Paul Limper schon um die 70 Jahre alt war, bestimmte die Bäckerei immer noch den Tagesablauf. Mein Vater erinnert sich, wie er als Kind seinem Großvater in der Backstube tatkräftig mithelfen durfte:
»In den Ferien war ich beinah jeden Tag in der Backstube. Besonders gerne portionierte ich Brötchenteiglinge. Auch dafür gab es einen Apparat, der, wie so manche technische Gerätschaft in Opas Backstube, ziemlich altertümlich anmutete. In etwas Neues zu investieren, dafür stand ihm nach dem Tod seines Sohnes nicht mehr der Sinn. Doch das alte Gerät, das neben dem Backtisch unter dem Fenster stand, tat noch anstandslos seinen Dienst. Es sorgte dafür, dass alle Brötchen anschließend aus der exakt gleichen Teigmenge gebacken werden konnten. Dazu musste man einen großen Batzen Teig in den Apparat hineindrücken. Genug gedrückt war erst, wenn sich ein schwerer, gusseiserner Deckel darüber schließen ließ. Sodann holte ich zwei Eisenstangen, die man von der Seite in einen Hebelmechanismus einstecken musste. Unbesehen hob sich unter dem Deckel, wenn ich die Stange auf der Seite herunterdrückte, eine Felderung, die den Teig in gleiche Einheiten zerteilte. Dann wurde der Deckel wieder geöffnet, und mit dem anderen Hebel wurden die portionierten Teiglinge von unten aus den Feldern herausgehoben. Anschließend bekam jedes potenzielle Brötchen einen Längsschlitz eingeschnitten oder ein Sternmuster eingestochen. Damit war alles fertig zum Backen. Also ab ins Ofenloch!
Opa backte noch in einem Steinofen, der vorher innen angefeuert werden musste. Hierzu wurden Schanzen – gewöhnlich Reiserholz – im tiefen Ofenloch in Brand gesetzt. Mit dem entsprechenden Luftdurchzug entfachte das einen ›Mordsbrand‹. Das ergab einen anhaltend heißen Ofen. Die Hitze, die bei gelegentlich geöffneter Ofenklappe entwich, wärmte die ganze Backstube. Im Winter war’s angenehm, aber im Sommer standen Opa die Schweißperlen auf der Stirn. Nicht nur der Schornstein rauchte, auch die im Innern vermauerten Schamottsteine wurden glühend heiß. Nach der Befeuerung musste die Asche herausgefegt werden. Die groben Bestandteile wurden mit einer Art Harke zum Ofeneingang herausgezogen, wo sich ein Gitterrost befand, durch das darunter die Asche in einen Blechbehälter fiel. Die Asche, reine Holzasche, kam anschließend in den Garten, zur Verbesserung der Gartenerde. Für den Nachputz sorgte Oma. Hierzu fegte sie mit einem Feudel, den sie vorher am Waschbottich mit Wasser durchtränkt hatte, den Ofen aus. Alles musste schnell gehen. Die Hitze konnte von da an nur noch abnehmen. Allein das Nachglühen sorgte dafür, dass die eingeschobenen Brote in der notwendigen Zeit durchbackten. Hinten im Ofen hielt die Hitze am längsten. Auf langen Schiebern wurde daher das Schwarzbrot weit in den Ofen ›eingeschossen‹. Das war der Moment, wo ich nicht im Wege stehen durfte. Wenn Opa in den heißen Ofen hineinschaute, standen ihm die Adern sichtbar auf der Stirn.
Er trug bei der Arbeit eine weiße Bäckerschürze und ein ›Einheitshemd‹, ein weißes Unterhemd, das hinten am Halsausschnitt ein Häkchen hatte, an dem man einen aufgesetzten Kragen befestigen konnte. Einen solchen trug er natürlich nicht bei der Arbeit. Stattdessen legte er um den Nacken herum oft ein Handtuch. Er hatte kein Problem damit, erstaunlich heiße Dinge anzufassen. Das geschah alles nur in einem kurzen, leichten Fingerkontakt. Wenn man genau hinsah, wechselte er die aufgesetzten Finger, mit denen er das heiße Brot befasste, ganz schnell nacheinander ab.
Wenn der Ofen hinten voll mit Schwarzbroten belegt war, so kam als nächstes davor das Mischbrot an die Reihe. Vorne bildete das weiße Brot den Abschluss. Plattenkuchen, überhaupt Kuchen und Süßgebäck, wurde erst nach dem Räumen des Ofens in der Nachhitze gebacken.« (Ausschnitte aus den Aufzeichnungen »Was ich Euch – bevor ich’s noch vergesse – aufgeschrieben haben wollte« von meinem Vater, 2016)

1950 bezog die älteste Tochter Paula mit ihrem Mann Josef Schoppe ein eigenes Haus in Welschen Ennest, oberhalb der Kirche auf dem Weg zum Friedhof an der Pfarrer-Sauerwald-Straße. Die Enkelkinder Gabriele und Erwin gingen 1953/54 zu ihren Eltern Anita und Josef Isenberg nach Welper, wo die Familie bald ein eigenes Haus beziehen konnte. Und so wurde es allmählich ruhiger im Hause Limper. 1954 schloss der inzwischen über 70-jährige Paul Limper seine Bäckerei – war doch die Hoffnung, den Betrieb einmal seinem Sohn Erwin übergeben zu können, im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs untergegangen.
Am 25. Mai 1959 konnten Paul und Maria Limper ihre Goldene Hochzeit feiern. Zunächst fand in der Wallfahrtskirche auf dem Kohlhagen bei Kirchhundem der Gottesdienst statt, den der Onkel des Schwiegersohns, Pater Jordanus Isenberg, zelebrierte. Anschließend ging es zur Feier in die Gastwirtschaft von Marias Schwester Rosalie Siebert. Und abends stand zuhause in Welschen Ennest noch der Gesangverein für ein Ständchen vor der Tür.
Nachdem seine Frau Maria nur wenige Monate später, am 1. Februar 1960, verstorben war, verkaufte Paul Limper das Haus mit dem Bäckereigeschäft zum 1. Oktober 1962, wohnte einige Zeit bei seiner Tochter Anita in Welper, und zog schließlich ins Haus seiner Tochter Paula in Welschen Ennest. Dort verbrachte er knapp sechs Jahre – zuletzt bettlägerig – bis zu seinem Tod am 14. Juni 1968. Durch ein Knalltrauma, das er in seinen jungen Jahren im Kriegsdienst erlitten hatte, und eine unbehandelte Mittelohrentzündung in der Jugend wurde er mit fortschreitendem Alter immer mehr schwerhörig und war zuletzt ganz taub. Nach einem erfüllten und langen Leben mit vielen guten Erinnerungen, aber auch schweren Erfahrungen, fand er seine letzte Ruhe in der Familiengrabstätte auf dem Friedhof in Welschen Ennest – dem Dorf, in dem er die 85 Jahre seines Lebens gewohnt und das er ein Stück weit mit geprägt hat.
Heinrich Limper-Falken (25.01.1844 – 20.01.1924) ⚭ Elisabeth Schuster (07.02.1848 – 12.11.1927)
|
Paul Limper (31.10.1882 – 14.06.1968) ⚭ Maria Speil (19.06.1882 – 01.02.1960)
|
Anita Limper (25.07.1913 – 07.10.1983) ⚭ Dr. Josef Isenberg (30.12.1911 – 14.05.2007)
|
Dr. Erwin Isenberg
|
Dr. Gabriel Isenberg
» Ich freue mich jederzeit über ergänzende Informationen und Materialien. Schreiben Sie mich gerne an!
