Der Bernburger Orgelbauer Georg Kühne (1807–1885)

Dr. Gabriel Isenberg (Stand: 31.01.2021)

Der Orgelbauer Georg Kühne wirkte im 19. Jahrhundert in Bernburg an der Saale, etwa auf halbem Weg zwischen Halle (Saale) und Magdeburg. Durch einen Zufallsfund im Archivbestand der Wittgensteiner Kirchengemeinde Fischelbach kann sein Werkverzeichnis nun um einige Orgeln erweitert werden.

 

Johann Friedrich Georg Gottlob Kühne wurde am 27. Februar 1807 als Sohn des Kantors und Schullehrers Johann Christoph Friedrich Kühne und seiner Ehefrau Johanne Henriette geb. Buschmann in Trebnitz geboren.[1] Wo Kühne das Orgelbauhandwerk lernte, ist nicht bekannt. Im 18. Jahrhundert war die Orgelbauerfamilie Zuberbier in Bernburg ansässig, um 1800 ist Georg Ziese als Orgelbauer in Bernburg nachweisbar, aber zu Kühnes Zeit gab es keine Orgelbauwerkstatt in der Residenzstadt. Allerdings finden sich Hinweise auf weitere Orgelbauer mit gleichem Nachnamen in der näheren Umgebung, so z. B. Christian Andreas und Christian David Kühne im rund 40 km entfernten Ballenstedt sowie der Instrumentenmacher Franz Kühne in Halle (Saale).[2] Die genannten Orgelbauer Kühne dürften in verwandtschaftlicher Beziehung bestanden haben – nicht zuletzt sprechen die beiden u. g. Orgelbauten Georg Kühnes für Ballenstedt für diese Annahme.

Georg Kühne heiratete am 21. Oktober 1832 die aus Bernburg stammende 21-jährige Caroline Dorothee Friederike Ernestine Künzel.[3] Im gleichen Jahr hatte er die Erlaubnis erhalten, sich als Orgelbauer in Bernburg niederzulassen.[4] Offenbar heiratete Kühne kurz darauf erneut, denn am 2. Mai 1836 wurden von ihm und der Ehefrau Johanna Maria geb. Becker Zwillinge geboren, die allerdings nur einen Tag nach der Geburt verstarben.[5]

Zwischen 1840 und 1852 war Georg Kühne die Pflege der Orgeln in den Fürstentümern Anhalt-Bernburg und Anhalt-Köthen übertragen.[6] Darüber hinaus baute er mehrere neue Orgelwerke, von denen bislang sechs Orgeln bekannt waren:[7] 1845 Frose, Stiftskirche, II/19; 1847 Schortewitz, ev. Kirche, II/12[8]; 1849 Gröna, St. Petri, I/9; 1852/53 Reinstedt, St. Laurentii, II/20; 1855/58 Schloss Wittgenstein, Hofkapelle, I/10[9]; 1864 Coswig, St. Nikolai, II/20.

Ein im Archiv der Gemeinde Fischelbach (Kreis Siegen-Wittgenstein) erhaltenes, am 6. Januar 1855 vom Herzoglich Anhaltischen Consistorium ausgestelltes „Attest für den Herrn Orgelbauer G. Kühne in Bernburg“ führt die bis dahin ausgeführten größeren Arbeiten auf, womit Kühne weitere Orgelbauten zugeordnet werden und sein „Opusverzeichnis“ bis 1855 komplettiert werden kann:[10]

  1. 1841: Orgelneubau in Dröbel bei Bernburg (I+P/9)
  2. 1842/43: Orgelneubau in Bernburg, Schlosskirche St. Aegidien (II+P/29)
  3. 1843/44: Orgelneubau in Frose bei Aschersleben (II+P/19)
  4. 1845: Orgelneubau in Bernburg, Johanniskirche (I+P/7 + 2 Pedaltransmissionen)
  5. 1847: Orgelneubau in Ballenstedt, herzogl. Schlosskirche (I+P/9)
  6. 1849: Orgelneubau in Gröna bei Bernburg (I+P/9)
  7. 1852: Orgelneubau in Hohenerxleben (I+P/9 + 3 Pedaltransmissionen)
  8. 1852/53: Orgelneubau in Reinstedt (II+P/26)
  9. 1853/54: Orgelneubau in Ballenstedt, Stadtkirche St. Nicolai (II+P/21)
  10. 1854: Orgelneubau in Großmühlingen (I+P/9)

Bei den drei erstgenannten Orgeln verwendete Kühne laut den Ausführungen noch Faltenbälge, bei den später errichteten Orgeln baute er Cylinder- oder Kastengebläse nach eigener Erfindung.

Tätigkeiten als Orgelbauer sind von Georg Kühne bis 1868 nachweisbar.[11] Zu den von Kühne ausgebildeten Orgelbauern gehören Wilhelm Eduard Schmeißer (vor 1844) und Adalbert Förtsch (um 1847). Im Jahr 1877 ist er im Adressverzeichnis Bernburgs unter der Adresse Prinzengarten 12 aufgeführt. Er starb als Witwer am 23. Oktober 1885 an Magenkatarrh (Gastritis).[12]

[1] Trauregister der Schlosskirche St. Aegidien Bernburg 1801–1840, S. 295. — Es handelt sich wohl um das nächstgelegene Trebnitz bei Könnern (Sachsen-Anhalt).

[2] W. HACKEL / U. PAPE: Lexikon norddeutscher Orgelbauer, Bd. 3 (Sachsen-Anhalt), S. 335.

[3] Wie Anm. 1.

[4] Wie Anm. 2.

[5] Geburts- und Taufregister der Schlosskirche St. Aegidien Bernburg 1831–1843 (Nr. 38 und 39).

[6] W. HACKEL / U. PAPE: Lexikon norddeutscher Orgelbauer, Bd. 3 (Sachsen-Anhalt), S. 335. — Siehe auch Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Z 72, VII Nr. 19.

[7] Ebd. Dort außerdem genannt als Erweiterung, Umbauten und Dispositionsänderungen: 1835 Coswig, St. Nikolai (1708-1713); 1839 Weißandt-Gölzau (1695), I/10; 1850 Cösitz (vor 1810); sowie mehrere Reparaturen.

[8] Lediglich eine Erneuerung der 1780 erbauten Orgel.

[9] Siehe hierzu M. BLINDOW: Die Orgeln der Hofkapelle Schloß Wittgenstein. Ein Beitrag zur Geschichte des Positivbaues in Westfalen, in: Jahrbuch für Westfälische Kirchengeschichte, Bd. 78, 1985, S. 117–124.

[10] Archiv des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein, Acta spezialia: 144 Fischelbach.

[11] W. HACKEL / U. PAPE: Lexikon norddeutscher Orgelbauer, Bd. 3 (Sachsen-Anhalt), S. 335.

[12] Sterberegister der Schlosskirche St. Aegidien Bernburg 1881–1887, S. 151 (Nr. 282).